Die Vorstellung ist für mich kaum auszuhalten und dicke Tränen schießen aus meinen Augen, in sekundenschnelle habe ich einen dicken Kloss im Hals. Es ist Montagabend und ich schaue wie immer WDR. Und ich stelle mir vor, was das für ein Gefühl ist wenn man sein Kind leblos im Bett findet. Aber mal der Reihe nach. Es geht um diesen Bericht hier. Über die Umstände kann und will ich mir keine Meinung erlauben, ich werde mir auch nicht anmaßen über jemanden, sei es das Krankenhaus oder die Ärzte zu urteilen. Als Mama aber, die bei der Vorstellung so etwas erleben zu müssen nicht aufhören kann zu heulen, und die einige ganz ähnliche Erfahrungen gemacht hat, muss ich meine eigene Meinung dazu äußern

Ich bzw. wir sind keine Panik-Eltern. Wir rennen nicht bei jedem Schnupfen zum Arzt, wir werden nicht hysterisch wenn das Kindlein Flecken hat oder einfach mal eine Erkältung. Unsere Kinderärztin ist ein absoluter Goldschatz, zu der ich gerne gehe, aber  dass mache ich wirklich sehr sehr selten außerhalb der üblichen Untersuchungen. Denn: Wenn man sein Kind gut beobachtet, es kennt und wachsam ist dann WEISS man einfach was es hat, weiß es einzuschätzen und damit umzugehen. So ist das Kindlein zb bei einer Erkältung ohne Fieber einfach nicht Kindergartenfit, dass weiß ich und dann bleibt sie zu Hause (andere Eltern sehen das anders). Oder ich renne nicht bei jedem leichten Durchfall zum Arzt, weiß aber wenn bei ihr andere Anzeichen dazukommen ist das nicht normal (für sie) und ich muss mit ihr zum Arzt. Sie ist kein empfindliches Kind, heißt für uns wenn sie jammert oder Schmerzen hat, dann ist da auch was dran. Sie wird ernstgenommen. Bei uns.

Nun waren wir in den letzten vier Jahren trotz aller Wachsamkeit nur 4 Mal im Krankenhaus. Und 3 von 4 Besuchen waren furchtbar und decken sich (leider) mit den vielen Erfahrungen die Eltern erleben mussten.

Das erste Mal war sie ca. 3 Monate alt, ich hatte sie auf der Wickelkommode, hob ein Tuch vom Boden auf und schon war sie runtergefallen. Mein sonst immer laut und schrill schreiendes Baby wimmerte und es war klar dass ich sofort ins Krankenhaus fahren würde. Sie wimmerte die ganze Zeit, was ich auch der Dame an der Anmeldung mitteilte. „! Hat sie gekotzt?“ „nein, aber sie wimmert, dass macht sie sonst nicht.“ „ ja, ok. Aber sie kotzt ja nicht. So schlimm ist dass dann nicht“.

Aha, ok, wenn mein 3 Monate altes Babymädchen also von der Wickelkommode stürzt, danach nicht schreit, nur wimmert, dann ist das also nicht schlimm. nach drei Stunden (ja, ernsthaft) Wartezeit wurde sie keine 5Minuten untersucht. Rücken, Augen Kopf- das war es. Die Ärztin meinte auch nach meinem Nachfragen, dass Kinder im dem Alter das gut verkraften würden und mehr Untersuchungen nicht nötig wären.

Das war unser erster Besuch im Krankenhaus.

Das zweite Mal war sie 1 ½ Jahre alt, hatte einen schlimmen Durchfall (natürlich wieder am Wochenende) war schlapp und trank nichts mehr. Zu dieser Zeit war der EHEC Virus überall in den Medien und wir fuhren wieder ins  Krankenhaus.

Diesmal nur nach 2 ½ Stunden Wartezeit kam ein älterer Arzt, tastete ihren Bauch ab, redete mit ihr, sie reagierte normal. Sein Ergebnis: Sie ist noch zu fit, als das es was Schlimmeres sein könnte.  Auf die Fragen wegen dem EHEC reagierte er gar nicht.

Nach diesen beiden Malen hatte sich dieses Krankenhaus (erstmal) für mich erledigt. Leider muss ich heute sagen. Denn Weihnachten 2012 war es dann wieder soweit. Das Kindlein hatte seit zwei Tagen 40Grad Fieber war so dermaßen schlapp und schlief den ganzen Tag -war kaum ansprechbar. SO hatten wir Sie bis dato noch nie erlebt. Es war der 23.12.2012 als wir in eine andere Kindernotfallklinik fuhren. Es war ziemlich voll und wir mussten mit Fieberkind 3 ½ Stunden warten. Das Kindlein sollte sich komplett ausziehen und zitterte natürlich, einen junge Assistenzärztin mit mega motziger Kinderkrankenschwester im Schlepptau , oder einfach nur eine Hilfe, ich kann es bis heute nicht sagen, fragte nach ihrem Zustand etc. Das sie Fieber hätte, sei doch normal auch solang und so hoch. Und glühen? Nein sie zittere doch. (Ja klar würdet ihr auch wenn ihr Euch komplett ausziehen müsstest und krank seit oder?) Ich sagte nein, dass sei nicht normal dass hatte sie noch nie, sie ist sonst anders und nicht so schlapp und kaputt wie die letzten zwei Tage (mit Medikamenten).

„ Wo hamse denn gemessen, das Fieber“ (die ätzende Helferin)

„ Im Ohr“

„Na im Ohr (arrogantes Lächeln) das bringt ja nichts.“

Sprach sie und miss Fieber und wo? Ihr werdet es kaum glauben, Im OHR.Eine riesen ganze Sekunde lang.

„ Also sorry, im Ohr, so kurz und das war es jetzt? Sie glüht richtig“

„ Na, Eltern können das nie so richtig einschätzen“

Ich wurde lauter,  aber Gott sei Dank griff die Ärztin dann doch mal ein.

„ Bitte noch einmal rektal Fieber messen „

Ergebnis: 39,8 mit Fiebersaft, heißer Rücken etc. nach einigen Tests. Lungenentzündung, Antibiotika plus fiebersenkende Mittel.

Ach echt?

Ich muss Euch sagen, ich hasse das. Ich weiß, dass es Leute gibt, die wegen jedem Pups mit ihrem Kind ins Krankenhaus fahren, aber ehrlich, wie kann ich als Elternteil wissen dass es eben nur ein Pups ist? Genau, gar nicht! Und ich glaube nicht, dass es eine tolle Freizeitbeschäftigung ist, Stunden im Krankenhaus zu warten, mit einem kranken oder verletzen Kind.

Keiner, dessen Kind nicht in diesem Moment  in irgendeiner Weise krank ist, kann nachvollziehen wie man sich als Mama oder Papa fühlt und welche Ängste man hat. Und grade in einer Kindernotfallpraxis sollte man doch mit Respekt behandelt werden, und nicht wie in einer Abfertigungshalle.

Vielleicht manchmal mit einer Portion weniger Arroganz und Besserwisserei, den manchmal könnte es einfach Eltern geben die Recht haben, die ihr Kind kennen und das einfach besser als ihr, die ja schliesslich Medizin und nicht Kinderverhaltenskunde studiert habt.

One Thought on “Die Sache mit dem Krankenhaus

  1. Wow, ich bin begeistert. Jetzt bitte nicht falsch verstehen. Der Text stimmt inhaltlich mit meiner Meinung völlig überein. Ich bin wohlgemerkt stolze 14 Jahre alt. Trotzdem ist es immer wieder so mit den Ärzten. Ich durfte das auch am eigenen Leib erfahren und die meisten Ärzte sind immer so. Leider. Wahrscheinlich kann ich das noch gar nicht richtig beurteilen, aber ich weiß auf jeden Fall auch wie es im Inneren eines Kindes in solch einer Situation aussieht. Trotz des heiklen Themas wollte ich einfach mal sagen, wie toll ich deine Art zu schreiben und einen in einen Bann zu ziehen. So das man gar nicht mehr aufhören kann zu lesen und es auch ganz ohne Bilder einfach toll geschrieben ist. Deine anderen Beiträge sind mir auch sehr ans Herz gewachsen- genau wie die fantabulösen Bilder. Ich finde diesen Blog einfach zauberhaft und mach bitte immer weiter damit. Allerherzlichste Grüße Leah

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